Von ein paar Jahren kaufte ich ein unvollkommenes Projekt.
Vor vielen Jahren (Mitte der 1980er) bekam ich eine Entwicklerdose geschenkt, die der Beginn meiner ersten Periode der Filmentwicklung als Teeneger in der DDR einläutete. Nun hänge ich nostalgisch an diesem Modell.
Es war und ist eine Plastimat aus der ČSSR. In der DDR gab es eigentlich nur zwei Modelle eine Eigenproduktionen aus dem Pentacon Kombinat, die Triplex. Und jene von Plastimat. Plastimat ist eine Firma die viele Produkte aus Kunststoff herstellte, vor allem Haushaltsprodukte, wie Plastgeschirr.
Heute bekommt man die Plastimat Dose für kleines Geld (15€ oder gar weniger) ist aber von Qualität und Handhabung vergleichbar mit Jobo und anderen aktuellen Dosen.
Diese Plastinat Dose ist eine Dose mit zwei klassischen Spulen und ähnelt einer Peterson oder Jobo. Wegen der Affinität zu diese Dose stach mir vor ein paar Jahren eine merkwürdige Variante dieser Dose bei ebay ins Auge. Es schien das dies eine Version mit 4 Spulen war die man wie bei Jobo um 2 Spulen verlängern konnte. Gesagt gekauft. Ausgepackt und Enttäuscht. Es war ein privates Projekt. Erkennbar hatte jemand sehr aufwendig, aus zwei Dosen diese Kombination erschaffen. Meine Vermutung ist schon zu DDR-Zeiten. Es wurde von einer Dose der Boden sauber abgestochen und ein Deckel so ausgedreht das er mit einer engen Passung zur Bodenlosen Dose passte. Die Dose war nicht dicht und der Klebstoff an der Fügestelle löste sich auf. Auch funktionierte die Form-Dichtung mit dieser Modifikation nicht.
Ein Problem bei der Plastinat Dose ist die Dichtung. Diese Form-Dichtung hat in den Jahren ihre Flexibilität verloren und ist sehr hart. Dadurch lässt die Dichtwirkung nach und man muss, bei Verwendung, aufpassen das sie nicht tropft.
Ich verlor die Lust und die Dose verschwand, für ein paar Jahre, im Keller, in einer Kiste.
Nun, diesen Winter häuften sich bei mir die Rückstände, Farb- und Schwarzweißfilme von verschiedenen Reisen in 2025 hatten sich angesammelt und wollten entwickelt werden. Und da fiel mir diese Dose wieder ein und ich habe sie wieder heraus geholt. Konnte man damit die Arbeiten beschleunigen?
Nach dem reinigen der Fügestelle, von alten Kleber und säubern und entfetten, klebte ich diese Fuge mit Gel Sekundenkleber. Außen ergab dieser Kleber, wie eine Kehlnaht beim Schweißen. Nach mehreren Tests, die Klebestelle war sehr fest und dicht. Nur die Dichtung, die Gewinde waren nicht dicht, zumal diese neue Stelle. Nach ausmessen versucht ich mit TPU eine flach-Dichtung zu drucken. Das Material ließ sich mit meinem Drucker aber nur schwer drucken und war zu schwammartig. Mechanisch schien es aber zu funktionieren. Ich recherchierte und suchte eine Dichtung im Internet. Ich fand einen O-Ring 100×5 (Außen 110mm, innen 100mm und Schnurdurchmesser 5mm), der rein passen müsste. In Silikon gibt es diesen für kleines Geld. Ich beschaffte einige. Ich musste diesen etwas reinstopfen, er könnte vom Durchmesser gerne etwas kleiner sein. Aber es geht. Ich war so überrascht wie dicht die Dose damit wurde. Ich werde wohl alle meine Plastinat Dosen mit diesen O-Ring bestücken.

Es folgten einige, teils längere Zeit, „trocken“ Tests mit Wasser, ohne Film. Wirklich Bomben dicht, auch beim Kippen schütteln und länger auf dem Kopf gestellt. Zwei Rohre mit je zwei Spulen waren von der läge etwas zu kurz. Das obere Rohr nun, griff nicht in die vorgesehene Öffnung im Deckel. Also druckte ich eine passende Verlängerung, für das Rohr, mit dem 3D Drucker.
Dann der erste scharfe Versuch mit 4x APX100, Rodinal 1+100. 20min bei 20°C. Doppelt so schnell und von Prozess eigentlich der gleiche Aufwand wie für 2 Filme.

Die 4fach Dose hatte ich auf 1,2Liter Füllmenge für 4 Kleinbildfilme ausgelitert. 3 Filme 1Liter. Es Müssten auch 2x 120er Filme gehen, oder 2x Kleinbildfilme und einen Rollfilm 120. Inzwischen habe ich die 4er Dose schon 2x scharf verwendet, und bin sehr zufrieden damit. Ich muss mir jetzt noch ein paar Flaschen besorgen mit 1,2Litern um die Chemie für C-41 zu lagern. Auch brauche ich dann ein anderes C-41 Kit welches 1,2Liter ergibt. Ich sollte ein Rollei Kit verwenden, anstatt des ADOX Kit. Ich glaube eh, das diese beiden Kit vom gleichen Hersteller kommen. Die Verpackung ist ähnlich und Anleitungen sind in Teilen recht Wortgleich.



Plastimat gehört heute zur Magna Gruppe und hat sich auf Kunststoffteile in der Automobilindustrie spezialisiert.
Inzwischen, Mitte Januar 2026 habe ich schon viele Farb- und Schwarz/Weis-Filme mit dieser Dose entwickelt und bin sehr zufrieden mit Handling und Dichtheit. Natürlich kann man auch einfach eine Dose mit 4 Spindeln fertig kaufen, aber wo bleibt dann der Bastelgedanke. Diese Dose stammt wohl auch aus einer Zeit in der man nicht einfach eine Dose kaufen konnte.
Quellen: https://youtu.be/BWKlvkhfh
https://www.fotoimpex.de/shop/fotochemie/rollei-colorchem-c-41-kit-1200-ml-konzentrat.html
